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Legionellen: So beugen Sie vor

Legionellen lauern im Wasser und können eine schwere Form der Lungenentzündung verursachen, die sogenannte Legionärskrankheit. Wie Sie sich schützen
von Ute Essig, 23.08.2017

Legionellenherd: Die Erreger können aus dem Duschkopf kommen

F1online digitale Bildagentur GmbH/Howard Bartrop/Image Source

Wenn Professor Martin Ex­ner in einem Hotel übernachtet, lässt er in der Dusche erst einmal kräftig das Wasser laufen, bevor er sich darunterstellt. "Man weiß schließlich nie, wann das Zimmer zuletzt belegt war", sagt der Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin von der Universität Bonn.

Mit diesem Ritual schützt sich ­Exner vor einer heim­tückischen Infektionskrankheit, die durch Legionellen übertragen wird. Das sind Stäbchenbakterien, die natürlicherweise im Grund- und Oberflächenwasser vorkommen. Ein besonderes und unkalkulierbares Risiko besteht durch die Art der Übertragung: Der Erreger kommt aus Gegenständen, die Menschen in den Indus­trie­­­­­nationen mal mehr, mal weniger regelmäßig nutzen: Wasserhahn und Duschkopf.

Problematische Kühlanlagen

Hat sich Legionella pneumophila dort angesiedelt und wird beim Aufdrehen der Leitung mit der Luft verwirbelt, kann das Bakterium beim Einatmen über dem Waschbecken oder unter der Brause in die Lunge gelangen und schwere Entzündungen verursachen. Die leich­­tere Verlaufsform zeigt sich durch grippeähnliche Symptome und Fieber ohne Lungenentzündung (Pon­tiac-Fieber). Auch in Deutschland kommt es zu örtlich begrenzten Ausbrüchen: Anfang 2010 ­erkrankten in Ulm 64 Menschen, fünf von ihnen starben. In Warstein gab es im August 2013 eine Erkrankungswelle, die innerhalb mehrerer Wochen 165 Personen erfasste. Drei starben.

Seit 2001 besteht die Meldepflicht, aufgrund derer etwa 600 Fälle pro Jahr registriert werden. Das Kompetenznetzwerk für ambulant erworbene Pneumonien geht in Deutschland jedoch von 15 000 bis 30 000 pro Jahr aus. Oftmals sind bei größeren Ausbrüchen Rückkühlwerke von Klimaanlagen die Infektionsquelle.

Woher kommt der Name Legionärskrankheit?

Der erste dokumentierte große Krankheits­ausbruch ereignete sich während eines Veteranentreffens von Mit­gliedern der US-amerikanischen Legion im Juli 1976 in Philadelphia. Damals erkrankten 181 Menschen an einer atypischen Form der Lungenentzündung, deren ­Ursache bis dahin nicht bekannt war. 29 Menschen kamen dadurch zu Tode.

Legionellen lieben lauwarmes Wasser

Bei Erkrankungen einzelner Privatpersonen dagegen liegen hauptsächlich schlecht gewartete oder mangelhaft installierte Warmwassersysteme in Häusern und Wohnungen zugrunde. Dort finden die Bakterien ideale Lebensbedingungen, um sich zu vermehren: Temperaturen zwischen 25 und 50 Grad. Erst ab 55 Grad wird es ihnen zu heiß, ab 60 Grad sterben sie ab.

Die Gefahr lauert in älteren Gebäuden zum Beispiel in schlecht isolierten Rohrleitungen. Aber auch in Neubauten können sich Legionellen vermehren. "Kritisch ist vor allem eine zu niedrig eingestellte Warmwassertemperatur", sagt Dr. Martin Hippelein, Laborleiter Medizinaluntersuchungsamt und Hygiene des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel.

Gut durchspülen

Stehendes Wasser und Ablagerungen in selten benutzten Leitungen bieten den Keimen ideale Bedingungen. Laut Exner beschreibt die Fachliteratur nur einzelne Fälle, in denen verschlucktes Wasser (zum Beispiel beim Zähneputzen) eine Infektion hervorrief. Weitere mögliche Infektionsquellen außerhalb des Badezimmers: Autowaschanlagen, Springbrunnen, feuchte Gartenerde und Kompost.

Wie man einer Erkrankung vorbeugt? Alle Wasser-Entnahmestellen in Haus oder Wohnung regelmäßig benutzen. "Regelmäßig heißt täglich", sagt Hippelein – "mindestens aber alle drei Tage." Werden etwa Duschen in Einliegerwohnungen einige Zeit nicht gebraucht, rät er zu einem Rückbau. Nach längerer Abwesenheit empfiehlt er nach Professor Exners Beispiel, bei der Rückkehr alle Wasserhähne und Duschleitungen mehrere Minuten gut durchzuspülen. In Häusern mit Wärme­pumpen und Niedertemperatur-Heizung beugen technische Lösungen wie ein zusätzlicher Heizstab einer Kontamination vor.

Vor allem Menschen mit schwachem Immunsystem gefährdet

Anders als Cholera- oder Typhus­erreger, die ebenfalls durch das Trinkwasser übertragen werden, gefährden Legionellen nicht alle Menschen gleichermaßen. "Vor allem ältere Erwachsene und immungeschwächte Menschen erkranken", sagt Exner. "Aber auch starke Raucher."

Finden sich in einer Wasserprobe mehr als 100 koloniebildende Einheiten (kbE) pro 100 Milliliter Wasser – das ist der sogenannte technische Maßnahmenwert –, besteht eine potenzielle Gefährdung des Verbrauchers. "In den meisten Fällen entspricht die Trink­wasserin­stal­lation dann nicht den allgemein an­erkannten Regeln der Technik. Es müssen geeignete Maßnahmen getroffen werden, um die Legionellenkonzentration zu verringern." Diese Maßnahmen sollten eine Temperatur des Warmwassers am Wasseraustritt von 60 Grad garantieren. Ab 10 000 kbE – dem sogenannten Gefahrenwert – steigt das Erkrankungsrisiko deutlich. Dann sind auch gesunde Personen gefährdet, an Legionellose zu erkranken. Also, Wasser marsch!



Bildnachweis: F1online digitale Bildagentur GmbH/Howard Bartrop/Image Source

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